Samstag, 29. August 2009

Der 2. Tag: AIDS und immer wieder AIDS



Der gestrige Tag war bis abends spät angefüllt mit Besichtigungen und interessanten Gesprächen. Deshalb komme ich erst heute dazu, diesen Reiseblog zu aktualisieren. Folgend einige Streiflichter von gestern.

1. Chreso, AIDS-Klinic
Unsere erste Station führte zur Chreso AIDS-Klinic in Kabwe. Chreso ist eine der 12 Kliniken in Kabwe, die die AIDS-Medikation mit ARVs durchführen darf. Nach einer kurzen Führung durch die Räume, konnten wir der deutschen Leiterin der Arbeit, die gerade anwesend war, Fragen stellen. Die Klinik ist gut ausgestattet und geführt. Das liegt an dem amerikanischen Präsidenten-Fund, der seit einigen Jahren die Finanzierung der ARVs übernommen hat. Aber die gute Qualität der Arbeit (Seelsorge, etc.) ist nur möglich, weil aus Deutschland zusätzliches Geld herein kommt. Die Klinik versorgt 2000 AIDS-Patienten. Grundtenor: Es gäbe noch viel zu tun, aber vieles klappe gut und grundsätzlich habe sich in den letzten Jahren vieles (positiv) verändert. Viele aus der jüngeren Generation scheinen verstanden zu haben, um was es geht. Man sieht viele T-Shirts mit "Stop AIDS"-Sprüchen, "Fight the Stigma" etc. Durch mehr Bildung und den Einzug der Medien (Handy, Fernsehen - vor der Schweinegrippe hat auch die sambische Bevölkerung Angst) verändert sich die junge Generation.
Ich selbst den Verdacht, dass diese Veränderungen nur auf der Hauptroute zwischen Livingstone und dem Kupfergürtel im Norden so stark zu erkennen sind und es in den abgelegenen Provinzen und auf dem Land diese Veränderungen so stark nicht gibt. Denn die Armut hat leider weiter zugenommen. In den letzten Jahren ist im Zuge der wirtschaftlichen Veränderung (Globalisierung und afrikanischer Kapitalismus in "Reinkultur") die Mittelschicht ziemlich verschwunden. Die eine Hälfte davon ist arm geworden und die andere Hälfte gehört nun zur reicheren Oberschicht.





2. Cara Counseling AIDS-Hospiz
Danach stand ein Besuch eines AIDS-Hospizes an. 20 Betten stehen zur Verfügung. Manche kommen zum Sterben, werden mit ARVs behandelt und werden wieder so hergestellt, dass sie wieder nach Hause gehen und sogar arbeiten können.





3. Mittagessen im "Hot or Not"
In diesem Fastfood-Restaurant gab es Pizza (riesig und mit viiiieeeel Käse), Meatpies, Hamburger und sogar ein gutes Fischgericht. Mir viel auf, dass sich eine ganze Reihe Sambianer dieses Essen leisten konnten. Und manche Besucher schleppten ein paar Pfunde zu viel mit sich herum. Das ist ein Unterschied zu z.B. vor 10 Jahren. Da habe ich mich in Sambia diesbezüglich eher alleine auf weiter Flur gefühlt ... Aber das ist bestimmt ein ganz subjektiver Eindruck.


4. Mutter Theresa AIDS-Hospiz
Am Nachmittag ging es wieder zu einem von katholischen Schwestern geführten Hospiz. Neben Plätzen für 60-80 Erwachsene, werden auch viele Kinder aufgenommen. Beeindruckend war die Kleinkinderstation, wo viele von uns kleine, von AIDS gezeichnete, unterernährte und apathisch wirkende Kleinkinder auf den Arm nehmen konnten, die dort versorgt werden.


5. Gespräch mit dem indischen Hausarzt von Hartmanns, Dr. H.
Man könnte viel erzählen von dem, was Dr. H. im Gespräch mit uns weiter gab. Es war jedenfalls eine sehr aufschlussreiche und beeindruckende Erfahrung.


Der Tag schloss mit einem Abendessen bei Hartmanns. Anschließend wurde etwas über der Tag ausgetauscht, gesungen und gebetet. Nach dem gut zehnminütigen Fußmarsch vom Haus von Hartmanns bis zur Misuku-Lodge stand für mich erst mal ein Telefonat nach Deutschland auf dem Programm. Dank Cell Phone und Internettelefonie aus Deutschland geht das problemlos. Ganz wichtige Info: Mein Sohn und sein Freund sind am Freitag wohlbehalten wieder in Deutschland angekommen.
In der Misuku-Lodge ließen wir den Tag bis Mitternacht gemeinsam an der Bar ausklingen. Die meisten konnten sich übrigens noch nicht mit dem sambischen Maisbier "Mosi" anfreunden. Kein Wunder, wir haben einfach zu viele Flensburger dabei ... die allerdings sinnigerweise Heineken trinken. Aber ich habe ja noch ein paar Tage Zeit, Überzeugungsarbeit zu leisten ...

—-- gepostet von meinem iPhone

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